Das Land Rheinland-Pfalz beauftragte dieses Forschungsprojekt. Die Projektleitung übernimmt das Institut für Zeitgeschichte. Geforscht wird von der Historikerin Dr. Kirsten Plötz, die bereits die erste Studie über Diskriminierung lesbischer Liebe in Rheinland-Pfalz 1946-1973 erstellte und seit Jahren über lesbische Geschichte in der jungen Bundesrepublik forscht.

Die Fragen, die wir uns stellen, lauten u.a.:

Wann begann der Entzug der Kinder von Müttern mit lesbischen Beziehungen als übliche juristische Praxis?

Wann endete dies?

Auf welcher Grundlage?

Von welcher Größenordnung müssen wir ausgehen?

In welchem Maße hing ein möglicher Entzug der Kinder von konkreten Gerichten und Jugendämtern ab?

Welchen Einfluss hatten Veränderungen im Ehe- und Familienrecht?

Wie wirkte sich diese Lage auf Mütter mit lesbischen Beziehungen aus?

Wie auf die Kinder?


Über die Forscherin

Seit den 1990er Jahren erforscht die Historikerin Kirsten Plötz lesbisches Leben während des 20. Jahrhunderts in Deutschland – zunächst jenes in der Weimarer Republik, dann in der frühen Bundesrepublik, seltener in der NS-Zeit. 

Besonders interessiert ist sie daran, wie und warum Diskriminierung entstand; wie, wo und mit welchen Folgen sich Frauen liebende Frauen anpassten, welche Freiräume sie sich schaffen konnten und wie sie versuchten, selbst unter schlechten Bedingungen Glück zu finden.

Methodisch ist für sie die Geschlechtergeschichte bedeutend: Für jede Gesellschaft sind Aufbau und Machtbeziehungen im Geschlechterverhältnis grundlegend. Außerdem folgt sie den Grundgedanken der Alltagsgeschichte, also der Aufmerksamkeit unter anderem dafür, wie Menschen die Verhältnisse, Ereignisse, Angebote und auch Zumutungen wahrnahmen, nutzten und beeinflussten.

Publikationen (Auswahl):
  • Als die Gerichte die Kinder wegnahmen. Aktuelle Forschungsergebnisse über Repressionen gegen lesbische Liebe. In: Dachverband Lesben und Alter (Hg.): Wie wir wurden, was wir sind. Lesbisches Leben im Alter. 7. Bundesweite Fachtagung 17. bis 19. November 2017 in Berlin, S. 14-17
  • Ein Kind gehört zur Mutter, außer die Mutter ist lesbisch. Blogbeitrag für das Projekt „Homosexuellenbewegung und Rechtsordnung in der Bundesrepublik (1949-2002)“
  • Der Entzug der elterlichen Gewalt bzw. des Sorgerechts als Aspekt der Diskriminierung in der Bundesrepublik. In: Martin Cüppers und Norman Domeier (Hg.): Späte Aufarbeitung. LSBTTIQ-Lebenswelten im Südwesten. Stuttgart 2018 [E-Book]
  • Verfolgung und Diskriminierung von Homosexualität in Rheinland-Pfalz. Kurzbericht zum Landtagsbeschluss „Aufarbeitung der strafrechtlichen Verfolgung und Rehabilitierung homosexueller Menschen“
  • Teil II: Liberale Strafrechtsreformen und regionale Gesellschaft 1962 bis 1973. In: Verfolgung und Diskriminierung der Homosexualität in Rheinland-Pfalz. Bericht der Landesregierung zum Beschluss des Landtags vom 13. Dezember 2012 zur Drucksache 16/1849: Aufarbeitung der strafrechtlichen Verfolgung und Rehabilitierung homosexueller Menschen [Langfassung über männliche Homosexualität]
  • Teil III: Verfolgung und Diskriminierung der weiblichen Homosexualität in Rheinland-Pfalz 1947 bis 1973. In: Verfolgung und Diskriminierung der Homosexualität in Rheinland-Pfalz. Bericht der Landesregierung zum Beschluss des Landtags vom 13. Dezember 2012 zur Drucksache 16/1849: Aufarbeitung der strafrechtlichen Verfolgung und Rehabilitierung homosexueller Menschen
  • Aufarbeitung von Verfolgung und Repression lesbischer und schwuler Lebensweisen in Hessen 1945-1985. Teil I: Verfolgung und Diskriminierung weibliche Homosexualität
  • Wo blieb die Bewegung lesbischer Trümmerfrauen? In: Andreas Pretzel / Volker Weiß (Hg.): Politiken in Bewegung. Die Emanzipation Homosexueller im 20. Jahrhundert. Hamburg 2017, S. 145-160
  • (mit Karl-Heinz Steinle) Selbsttötungen von LSBTTIQ als Folge gesellschaftlicher Ächtung und Verfolgung. Blogbeitrag auf der Seite von LSBTTIQ in Baden und Württemberg
  • Fokus Anderssein. Von Artgenossinnen und Homosexuellen, Lesben und normalen Frauen. In: Andreas Pretzel / Volker Weiß (Hg.): Queering. Lesarten, Positionen, Reflexionen zur Queer-Theorie. Dokumentation einer Fachtagung vom 7.-9. Dezember 2007. Göttingen: Waldschlösschen-Verlag 2008, S. 75-89
  • Weitgehend ignoriert: Lesbisches Leben in der frühen Bundesrepublik. In: Gabriele Dennert / Christiane Leidinger / Franziska Rauchut (Hg.): In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben. Berlin: Querverlag 2007, S. 27-30
  • Als fehle die bessere Hälfte.  »Alleinstehende« Frauen in der frühen BRD 1949 – 1969. Königstein / Taunus: Ulrike Helmer 2005 (Zugl.: Hannover, Univ., Diss.)
  • »… ihre perversen Neigungen restlos bloß zu stellen.« Die politische und sexuelle Denunziation einer Nationalsozialistin 1933. In: Invertito 4 (2002), S. 92-110 
  • Die Artgenossinnen der Weimarer Republik und ihr Beruf. In: IHRSINN 11 (2000), Heft 21, S. 70-81
  • Natürlich, heilig und gesund – die normative Ehe und Familie in der Bundesrepublik. In: Kirsten Beuth / Kirsten Plötz (Hg.): Was soll ich euch denn noch erklären? Ein Austausch über Frauengeschichte(n) in zwei deutschen Staaten. Gelnhausen: Triga 1998, S. 57-73
  • Einsame Freundinnen? Lesbisches Leben während der zwanziger Jahre in der Provinz. Hamburg: MännerschwarmSkript 1999 = WerkstattText 4
  • Anders als die Anderen? Lesbische Frauen in der Weimarer Republik. In: Christiane Schröder / Monika Sonneck (Hg.): Außer Haus. Frauengeschichte in Hannover. Hannover: Reichold 1994, S. 69-75